GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Shem-Tov, Tami
Titel DAS MÄDCHEN MIT DEN DREI NAMEN
Übersetzer / Originalsprache Pressler, MirjamNiederländisch und Hebräisch
Illustrator
ISBN 978-3-596-85373-1 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 320 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Biografie/Biografische Erzählung
Zielgruppe 12-13
Inhaltsangabe Geschichte des jüdischen Mädchens Lieneke, das in den letzten beiden Kriegsjahren bei einer Arztfamilie lebt und regelmäßig liebevoll verzierte Briefe ihres Vaters bekommt
Beurteilungstext Als Anfang der 40er Jahre die Lage der Juden in Holland immer schwieriger wird, beschließt die Familie van der Houden ihre jüdische Identität zu verleugnen und gibt die Kinder zu verschiedenen Familien, die im Widerstand arbeiten. Die 10-jährige Jacqueline heißt ab sofort Lieneke und wird im Dorf Den Ham vom Arzt Dr. Kohly und seiner Frau Vonnette herzlich aufgenommen. Hier geht sie zur Schule und schließt Freundschaft mit anderen Kindern. In regelmäßigen Abständen bekommt sie Post von ihrem Vater, zu dem sie eine ganz besondere Beziehung hat. Er schreibt liebevolle Briefe und ist ein hervorragender Maler und Zeichner, so dass er seine Briefe mit vielen witzigen - überwiegend Tier- und Pflanzenzeichnungen - verziert. In Gedanken kehrt Lieneke häufig in die nahe Vergangenheit zurück und erzählt dem Leser so, was sie erlebt hat. Als der Krieg zuende ist, trifft Lienekes Familie wieder zusammen (bis auf die Mutter, die an einer unheilbaren Krankheit gestorben ist) und wandert nach Israel aus. Dort nimmt Lieneke den hebräischen Namen Nili an.
Das Besondere an dem Buch "Das Mädchen mit den drei Namen" sind natürlich die Briefe des Vaters an seine Tochter, die im Original erhalten geblieben sind und so auch abgedruckt wurden. Diese neun kleinen Kunstwerke bereichern Lienekes Leben, während sie von ihrer Familie getrennt bei Dr. Kohly wohnt, muntern sie auf und helfen dem Kind sicherlich ein Stück weit, die schweren Kriegsjahre zu überstehen. Das Buch beruht auf der wahren Lebensgeschichte des Mädchens Lieneke und ist im Anhang mit Fotos von Lieneke früher und heute angereichert. Die Sprache ist für jugendliche Leser gut verständlich, jedoch wird ein gewisses geschichtliches Grundwissen vorausgesetzt. Warum die Juden im 3. Reich verfolgt wurden, wird nicht erklärt. Was mit den Juden geschieht, die abtransportiert werden, fragt Lieneke mehrmals, bekommt aber keine Antwort. Insgesamt hat sie es bei dem liebevollen Arztehepaar sehr gut angetroffen, nur ein Mal wird sie Augenzeugin, als deutsche Soldaten jüdische Menschen auf offener Straße erschießen. Das Verhältnis zu ihrer Familie und ihrem Vater im Besonderen, das hier durch die wertvollen Briefe symbolisiert wird, steht sicherlich im Vordergrund dieses nachdenklich machenden Buches.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 REI, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund