GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Cooney, Caroline B.
Titel Code Orange
Übersetzer / Originalsprache Kohlhammer, MichaelAmerikanisches Englisch
Illustrator
ISBN 978-3-440-11825-2 Reihe
Verlag Kosmos - Franckh / Klee, Stuttgart, 2009
Seitenzahl 220 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Abenteuererzählung
Zielgruppe ab 18
14-15
Inhaltsangabe Mitty Blake ist alles andere als ein ehrgeiziger Schüler. Ausgerechnet er muss ein Referat über Pocken schreiben und dafür Bücher lesen! Seine Freundin besorgt ihm alles Wichtige, seine Mutter besitzt ein paar uralte Bücher, in einem findet er Pockenschorf. Bald wird ihm klar: er kann sich infiziert haben. Vom Internet verspricht er sich Hilfe, die kommt aber anders, als er sie sich vorgestellt hat: er wacht gefesselt in einem Keller auf. Knapp wird es, aber er kann sich befreien.
Beurteilungstext Das grässliche Cover hätte mich beinahe von der Lektüre dieses spannenden und nachdenkenswerten Jugendkrimis abgehalten - vielleicht verleitet es aber gerade die zum Lesen, um die es hier geht: Es war nicht chic, sich um Bildung zu kümmern...sie hielten die Schule für eine blöde Zeitverschwendung. Er fand’s einfach klasse, was die Leute da (am Handy) so laut alles sagten. Wenn sie sich aber in einer Fremdsprache unterhielten, fühlte er sich total ausgeschlossen. Er hatte sich nicht deshalb für Spanisch entschieden, weil das an der Uni gefordert wurde, sondern weil er sich dann nicht so oft aus Unterhaltungen ausgeschlossen fühlen musste. Spanisch! Das war das fünfte Fach!(S. 79 f) Es war ihm kurz zuvor nämlich einfach nicht mehr eingefallen, welche fünf Fächer er in der Schule gewählt hatte.
Mehr gegen seinen eigenen Willen vergräbt Mitty sich immer mehr in sein Referatthema. Erst spät fällt ihm auf, dass er in dem alten Buch auf echten Pockenschorf aus dem Jahre 1902 gestoßen war. Dass der ihn vielleicht nicht mehr infizieren könnte, fällt ihm nicht ein, wohl aber auf, dass er nach und nach alle anfangs unscheinbaren Symptome einer Erkrankung zeigt. Er veröffentlicht seinen Fund im Internet und bekommt postwendend, nein, man muss hier ja sagen, nach wenigen Clicks, Antworten von Leuten, die ihm immer dubioser vorkommen.
Bis hier erzählt die Autorin auktorial eng am Helden entlang, so dass man amüsiert seinen “coolen” Gedankengängen folgt - und springt jetzt an einen anderen Schauplatz: Mitty ist spurlos verschwunden und das FBI taucht in der Schule auf, um ihn zu suchen. Wie das? Das FBI wurde von Mittys Internetfrage informiert und alarmiert. Aber nicht nur der Geheimdienst, sondern auch dubiose Ausländer - bis zum Schluss bleibt unklar, welcher Art -, die Mitty entführen und seine Pockenpusteln “abernten” wollen, um mindestens New York damit zu erpressen, warum auch immer.
Inzwischen ist die Erzählung wieder bei Mitty in seinem Entführungskeller mit zwei Hütern, die letztlich auf seinen Trick herein fallen, selbst im Keller landen und dort ersticken. Deswegen erfährt man auch nicht, um was für “Botschafter des Bösen” es sich hier handelt.

Neben einer spannenden Krimihandlung und einer amüsanten Schulgeschichte um eine Gruppe von sich absolut cool gebenden Schülern (die aber keinerlei Kontakte zu ehrgeizigen, fleißigen und schönen Schülerinnen scheuen) birgt diese Entführungsgeschichte einen nachdenkenswerten Teil: Es gibt zwar keine Pocken mehr - aber was wäre, wenn sie doch noch irgendwie wieder aufträten? Noch werden Erreger der einzigen völlig ausgerotteten Krankheit in Hochsicherheitslaboren gehütet. Aber was geschehen kann, wird auch eines Tages geschehen. Und dann?
Dieses Problem lässt sich mühelos auf andere Bereiche übertragen und bietet endlose Diskussionsvorlagen für jeden Bereich.

Und noch etwas finde ich bemerkenswert: Die Schüler sind um die 16 Jahre alt und treten sowohl ihren Lehrern wie auch den FBI-Agenten gegenüber, nicht unbedingt wirklich cool, auf jeden Fall aber als Gesprächspartner auf, die sich in gleicher Augenhöhe bewegen. Mitty und seine Freunde könnten meine Enkel sein, für mich wäre in deren Alter ein solches Verhalten jenseits jeder Vorstellungskraft gewesen - gegenüber einer Bundespolizei! hatte man sich einfach mindestens respektvoll verhalten, da durfte gar nichts in Frage gestellt werden. Hier wird eine Generation beschrieben, die wirklich nach Inhalten und nicht mehr nach Rollen fragt. Hut ab! (Auch wenn Mitty diese Geste gar nicht mehr kennen wird.)
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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