GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Brakel, Johannes F.
Titel Buschmann, Buddha, Tuareg
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-7725-2298-7 Reihe
Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 2009
Seitenzahl 251 Preis 15,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Sachbuch
Zielgruppe 10-11
ab 18
Inhaltsangabe In 9 Essays und qualitativ überwiegend hervorragenden Fotos stellt Brakel Länder in Afrika und Asien vor, die sogar für 10-Jährige interessant und informativ sind. Vorwiegend ethnologischer Art gehen die Texte auch auf Geschichte, Landschaft, Wirtschaft und Persönliches der Menschen in diesen Ländern ein.
Beurteilungstext Wichtig erscheint mir vor allen Dingen, dass Reisebücher Lust und Neugierde wecken. Hier tritt das Abenteuer der Reise selbst in den Hintergrund - zu unspektakulär ist auch heute das Reisen. Aber wer sehen will, kann etwas sehen. Dennoch erkennt man Fremdes nur, wenn man weiß, was fremd ist, was zu sehen und damit zu beachten ist. Brakels Essays führen behutsam und kenntnisreich in die fremden Länder ein, er schreibt dabei in einer einfachen Sprache, so dass auch 10-Jährige - wenn sie denn bereit sind, etwas über fern gelegene Länder zu erfahren - dieses Buch mit Gewinn verschlingen können. Allen Berichten ist abzulesen, dass Brakel nicht einfach nur durch die Lande gereist ist. Intensiv hat er sich mit der Geschichte und der Kultur, mit den heute dort lebenden Menschen und deren Lebensweisen, Gewohnheiten und Eigenheiten befasst.
Die Buschmänner Tansanias, die Massai, Beduinen und Tuareg führen den Leser in ihre Welt. Ruanda und Namibia werden vorgestellt. Thailand, Kambodscha, Sri Lanka und Japan stehen für die asiatischen Länder.
Wie sanft Brakel auch mit dem Leser umgeht, wird dieser erst bemerken, wenn er weiter liest, Tageszeitungen oder in komprimierter Form z.B. in Fischers Weltalmanach. Das ist nämlich der einzige Makel an dieser sonst so informativen Lektüre, die besonders versucht, die Mentalität der Bevölkerung dieser Länder verständlich zu machen und die Ursprünge der Besiedlung der Länder bzw. die Herkunft der einzelnen Volksstämme beschreibt. Dass dabei zur Sprache kommt, dass die Buschmänner eine der ältesten Sprachen der Welt benutzen, halte ich für die wichtigste aller Informationen.
Ich suche nur jeweils ein Merkmal zu den Ländern aus dem Weltalmanach 2009 heraus, der m.E. unbedingt in den Texten aufgenommen sein müsste:
Tansania: Korruption in extrem hohen Maße und in der Folge hohe Verschuldung durch US-Kredite.
Massai: Kriminalisierung durch Viehdiebstähle, die selbst mit den Landesgesetzen nicht vereinbar sind und dadurch zur Verelendung führen, ebenso wie die Überweidung der spärlicher werdenden Weiden in den fortschreitenden Wüsten.
Dennoch empfehle ich unbedingt Brakels Essays. Der Ordnung und der Information halber sollte man den Fischer Weltalmanach o.ä. daneben stellen.
Tuareg: Die Auseinandersetzungen mit Land und Regierung sind keineswegs beendet: Entführungen und Überfälle; El-Kaida-Verbindungen sind offensichtlich.
Ruanda: stellt die einzige Ausnahme hier dar: die Urgründe des Genozids werden wirklich einmal dargestellt, allerdings umschreibt Brakel die Massaker unter Ausblendung aller Grausamkeiten.
Namibia: Auch hier ist alles richtig, was aber der Völkermord der Deutschen an den Afrikanern wirklich war, umgeht der Autor sehr feinsinnig, um nicht zu sagen, feige. Völlig fehlt das Problem der über 4000 verschwundenen Personen in den letzten 10 Jahren, zu denen die Regierung jede Auskunft verweigert.
Thailand: Das Land ist keineswegs ruhig, im Süden nehmen die Anschläge nicht ab; der Tourismus fördert auch negative Folgen; 200000 t Reis verschwanden 2008 spurlos, was den internationalen Reispreis nach oben schnellen ließ: Korruption auch hier.
Kambodscha: Extremer Anstieg der Lebenshaltungskosten; infolgedessen Unmut in der Bevölkerung - und die Roten Khmer betrieben keinen Bürgerkrieg, sondern begingen Völkermord extremster Art.
Sri Lanka: Es ist gut zu wissen, warum die Tamilen eine Minderheit darstellen, aber es ist keine Sache der Moral, einen Bürgerkrieg zu beenden, sondern man muss dazu die diskriminierenden und kriminalisierenden Gesetze und Vorgehensweisen ändern. Bis heute führen diese Gesetze dazu, dass Flüchtlinge aus diesem Land in Deutschland aufgenommen werden.
Japan: beschrieben wird hier nur die Mittelschicht, die zwar der Träger der japanischen Kultur ist, dennoch gibt es auch noch ein Prekariat.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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