GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Chen, Jianghong
Titel An Großvaters Hand Meine Kindheit in China
Übersetzer / Originalsprache Scheffel, TobiasFranzösisch
Illustrator Chen Jianghong
ISBN 978-3-89565-210-3 Reihe
Verlag Moritz, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 77 Preis 24,80 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Sachbilderbuch
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
10-11
Inhaltsangabe Chen Jianghong wächst als kleiner Junge in den sechziger Jahren in der nordchinesischen Stadt Tientsien in einer ärmlichen Familie mit zwei Schwestern auf. Er dokumentiert hier in Wort und Bild seine Erlebnisse während der 1966 beginnenden Kulturrevolution bis Maos Tod im Jahre 1976.
Beurteilungstext Der Autor blickt auf sehr persönliche Weise auf seine Kindheit zurück und erzählt aus der Sicht des Kindes von damals. Als Maler hat er die Ereignisse eindrucksvoll in Bilder umgesetzt, die dem kurzen, direkten Text Leben geben. Gezeichnet hat er in traditioneller chinesischen Technik mit Tusche und Pinsel auf Reispapier. Je länger man seine pastellfarbenen Bilder betrachtet, desto mehr Details kann man entdecken: Muster in der Kleidung, besondere Pflanzen oder die dekorative Gestaltung von Gegenständen. Schade nur, dass man die vielen chinesischen Schriftzeichen nicht lesen kann. Seine Illustrationen sind zum Teil sehr raumgreifend und umfassen ein oder zwei der großformatigen Seiten, manchmal sind sie aber auch mehrteilig und fügen sich zu einer Bildfolge zusammen.
Chen Jianghongs Erinnerung reicht in das Jahr 1966 zurück, als er mit den Eltern, Großeltern und zwei Schwestern in einer winzigen Stadtwohnung lebt. Die Familie hat nur wenig Geld, lebt aber zusammen mit ihren Haustieren friedlich in festen sozialen Strukturen. Die Großmutter kocht, der Großvater trifft sich mit Freunden, die taube Schwester fährt mit dem Bus zur Gehörlosenschule und der kleine Junge baut, malt und hört Geschichten. Die Gesichter der Menschen sind freundlich. Mit der hereinbrechenden Kulturrevolution auf Betreiben Maos wird das Leben in China gefährlich und ist von Gewalt geprägt. Der Autor erinnert sich: Der ihm bekannte Herr Huang, ehemals Großgrundbesitzer, wird mit einer “Schandmütze” auf dem Kopf zusammen mit anderen durch die Straßen getrieben, die Großeltern verbrennen aus Angst ihre alten Hochzeitsfotos, auf denen sie traditionelle Kleidung tragen, Rotgardisten kommen in die Wohnung und zerstören ihre alten Gegenstände, das Tigerbild im Wohnzimmer wird durch ein Porträt Maos ausgetauscht und er selbst trägt eine Plakette mit dem Bild des großen Vorsitzenden um den Hals. Zu dieser Zeit überschlagen sich die tragischen Ereignisse für den kleinen Jungen: Die nette, gebildete Nachbarin Frau Liu wird auf brute Weise verhaftet und kehrt nie wieder, sein Vater muss zur Umerziehung an die russische Grenze, der geliebte Großvater stirbt und Großmutters Hühner werden umgebracht, denn Haustiere sind ein Merkmal der Bourgoisie. Die ausdrucksstarken, emotionalen Bilder machen das Leid nachvollziehbar. Es gibt aber auch positive Ereignisse für Chen Jianhong. Dazu gehören Spielen und Lernen in der Schule, der Stolz, das rote Halstuch der kleinen Rotgardisten tragen zu dürfen oder die Anerkennung seines zeichnerischen Talents, indem man ihn zum Chefredakteur einer Wandzeitung macht. Es stärkt sein Selbstbewusstsein ungeheuer, dass er endlich radfahren gelernt hat.
Als Mao 1976 stirbt, kehrt sein Vater zurück, der Sohn besucht die Oberschule und studiert anschließend bildende Kunst in Peking. Heute lebt Chen Jianghong in Paris. Obwohl in diesem Bilderbuch private und emotionale Erlebnisse dokumentiert werden, bleibt die Erzählung stets sachlich, nie wird die politische Situation bewertet. Dieses bewegende Zeitdokument aus der Sicht eines Kindes gibt einen besseren Einblick in das Geschehen während der Kulturrevolution als es ein Geschichtsbuch je könnte.
Unbedingt empfehlenswert für alle, die sich für China interessieren.
In einem achtminütigen Video gibt der Autor selber Hinweise zur Entstehung des Buches und weitere Hintergrundinformationen.
Link zum Video: http://www.hr-online.de/website/specials/buchmesse2009/index.jsp?key=standard_document_37944972&mediakey=fs/hauptsachekultur/20091002_hk_revolution&mt=ms&rubrik=48894&type=v
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Schü, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund