GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Rusch, Regina
Titel Amira, du gehörst zu uns
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-401-02795-1 Reihe
Verlag Arena, Würzburg, 2009
Seitenzahl 135 Preis 5,50 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Kinderroman
Zielgruppe 10-11
12-13
Inhaltsangabe Eine Schulklasse engagiert sich mit viel Einsatz und Ideen erfolgreich gegen die Ausweisung einer Klassenkameradin und ihrer fünfköpfigen bosnischen Familie, die seit 14 Jahren in Deutschland lebt. Ein Kinderroman rund um das Thema Abschiebung, Aufenthaltsrecht, Heimat und Gerechtigkeit.
Beurteilungstext MERLE und AMIRA sind allerbeste Freundinnen. Sie gehen zusammen in eine Klasse, planen gemeinsam Ponyferien im Sommer und warten sehnsüchtig auf die Zusage vom Reiterhof. MERLE hat Glück. Nach der Schule findet sie ihre Zusage im Briefkasten. AMIRA öffnet stattdessen versehentlich einen Brief an ihren Vater. Und der hat es in sich. Jemand von der Ausländerbehörde teilt mit: "Ihnen steht ein Aufenthaltsrecht in Deutschland grundsätzlich nicht mehr zu. Da Sie den wiederholten Aufforderungen, das Land zu verlassen, nicht nachgekommen sind, setzen wir Ihnen eine Frist zur Ausreise in Ihr Heimatland bis zum 15. Juli."

AMIRA kann das, was sie da liest, nicht begreifen. Die genaue Geschichte der Flucht ihrer Familie aus Bosnien kennt sie nicht und das mit der "Ausreise in ihr Heimatland" hält sie für eine Verwechslung. "Das ging doch gar nicht. Heimatland! Ihre Heimat war hier." Was soll sie denn in Bosnien? Zum Glück haben AMIRAS Klassenkameraden eine großartige Idee....

Einfühlsam und authentisch beschreibt die ehemalige Journalistin und erfolgreiche Kinderbuchautorin (u.a. "Johanna, wir sind stark" und "Nicht mit Timo, letzteres ein Kinderroman über Gewalt im Schulalltag), wie wichtig es ist, gemeinsam gegen Unrecht und Behördenwillkür einzuschreiten. Ausländerrecht, das so oder so angewendet werden kann, und Solidarität, die starke und mutige Ideen und Durchsetzungsvermögen braucht, das wird hier für junge Leser mehr als deutlich und auch spannend und nachvollziehbar dargestellt.

Kinderbücher, die sich ernsthaft mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen und trotzdem eine lesbare und unterhaltsame Sprache auch für ungeübte 9- bis 12-jährige LeserInnen finden und nutzen, sind eher rar auf dem Markt. Diese Themen liegen nicht im Trend und man kann damit keine erwähnenswerten Umsätze erzielen. Regina Rusch gehört zu den Autorinnen, die es immer wieder versuchen. Und das nicht erfolglos. Ihre Manuskripte lässt sie regelmäßig von den Fachinstitutionen kritisch durchsehen. Im vorliegenden Fall von der Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge e.V. proasyl.

Die Geschichte geht übrigens gut aus. AMIRA und ihre Familie durften bleiben. Vorher jedoch musste heftig demonstriert werden. Anwälte mussten sich einschalten. Lehrer und Schuldirektoren mussten Flagge zeigen. Und Behörden lernen, dass Recht und Unrecht nahe beieinander liegen.

Der Roman in 39 Abschnitten kommt ohne Illustrationen und Vignetten aus. Die bildhafte und trotzdem klare Sprache reicht aus, um interessierte junge LeserInnen so zu fesseln, dass sie schnell wissen wollen, welchen genauen Verlauf diese aufregende Geschichte nimmt und wie sie endet. Die notwendigen Bilder dafür entstehen im Kopf. Es ist dem empfehlenswerten Buch sehr zu wünschen, dass es viele Käufer findet. Am Preis kann es ja nicht liegen, der ist vergleichsweise sehr günstig.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 nb, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund