GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Brandt, Nick
Titel A Shadow Falls - Schatten über der Wüste
Übersetzer / Originalsprache Rometsch, MartinEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-86873-134-7 Reihe
Verlag Knesebeck, München, 2009
Seitenzahl 132 Preis 60,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Fotobildband
Zielgruppe 6-7
8-9
10-11
12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Ein Fotobuch der Extraklasse. Exotische, vor allem afrikanische Tiere werden in ihrer eigenen Umgebung und doch isoliert dargestellt, eingefroren, als seien sie ein Objekt der Wissenschaft oder der Fotografie. Unglaublich exakt sind die Schwarzweißfotos, detailverliebt und gleichzeitig das Objekt "Tier" in seiner Umgebung. Ein ganz besonderes, großformatiges Fotobuch.
Beurteilungstext Majestätisch und gelassen, sich völlig unbeobachtet fühlend. So geben sich die Tiere. Zwei Giraffen, die ihre Hälse aneinander reiben, eine sich fast hingebend, mögen wir meinen, aber es könnte sich auch um einen Rangkampf handeln - wir wissen doch so wenig, dass sich auch die Flussdurchquerung der Zebras zunächst sehr angenehm darstellt, ist doch der Anblick von afrikanischem Tier und Wasser in unserem Bewusstsein positiv. Wasser ist Leben. Hier aber erkennen wir auf der Doppelseite, dass ein Fluss offensichtlich schwimmend durchquert wird, überquert werden muss, denn die große Herde folgt in einer Art Stampede. Was mag die Herde treiben? Was mag sich in der weißen Staubwolke hinter der Herde verbergen?
Nach der Bewegung die Stille, die sich verstärkt durch die Spiegelung eines flachen Wassers. Das gelingt besonders eindringlich, weil wir auch hier ein Zebra sehen, das gelangweilt fast den Betrachter anschaut. Es steht genau an der Grenze zwischen Land und Wasser, spiegelt sich darin und merkt nicht, dass der Hintergrund sich ebenfalls horizontal dreifach teilt, vielleicht sogar den Goldenen Schnitt zitiert.
Spätestens hier muss die Frage gestellt werden, die sich jeder Fotograf stellen muss. Zufällig zur rechten Zeit auf den Auslöser gedrückt? Eins von vielleicht 500 Fotos ausgewählt, das den Ansprüchen genügt - und dieses vielleicht auch noch (digital) bearbeitet? Die beiden Folgefotos lassen das Urteil, egal wie es ausfiel, zumindestens zweifeln, den das eine wie die beiden Nashörner in der flachen Landschaft mit der Hochebene im Hintergrund und der Wasser-Spiegelung im Vordergrund geben noch eine weitere Dimension zur Diskussion.
Es folgen noch eine ganze Reihe von Fotos, im Wesentlichen in der Savanne fotografiert: Raubkatzen bei fast keinen Aktionen, immer wieder langbeinige Giraffen und stoische Elefanten wie Wasserbüffel als Transporteur für die Vögel, die ihnen im Gegenzug die Parasiten aus den Falten fressen werden, (stürmisches) Himmelsleben im schwarzweißen Hintergrund und Fotos voller Ruhe wie von Dali gemalt.

Was können wir lernen für den Unterricht in Ästhetik, Kunst, Fotografie, textile oder gestalterische Darstellung (vielleicht auch der Biologie)?

Die Isolierung. Das Objekt wird zentriert, vereinzelt, aus der Umgebung herausgelöst. Damit gelingt eine Art von Entfremdung und Loslösung.

Die trichterförmige Bewegung einer Masse in die einzelnen Tiere, am Ende in das Einzelobjekt.

Das Majestätische eines Objekts vor einem streifigen oder flachen Hinter- oder spiegelndem Untergrund.

Exotische Situation in ebensolcher Umgebung darzustellen wird per Foto wohl nicht gelingen - ein Tornado-Rüssel, eine Erdbebenspalte - das sind Zufälle des Lebens. Was uns aber gelingen kann, sind orthogonale Bewegungen oder - noch viel interessanter - fast parallele Bewegungen der Natur zur Höhe der Fauna.

Bevor die oft doppelseitigen Fotos des Querformats uns einnehmen werden, führen uns rund 20 Textseiten in die Bilder ein (wie uns am Ende Klein-Informationen auf die entsprechende Seite hinweisen). Im zweiten Aufsatz spricht Peter Singer davon, dass die Tiere keine Geschwister seien und auch keine Untergebenen. Sie seien "andere Völker". Das Buch zeigt, dass hier durch die Fotos auch noch individualisiert wird: Jedes der abgebildeten Tiere ist ein einzelnes Wesen, das wir auch als solches wahrzunehmen haben.
Wenn das Buch auch nur dieses Niveau bei uns erreicht, so hat es schon einen Erfolg zu verbuchen. Die anderen stehen weiter oben.

Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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