GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Deutschkron, Inge
Titel Blindenwerkstatt Otto Weidt
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Ruegenberg, Lukas
ISBN 978-3-7666-1222-9 Reihe
Verlag Butzon& Bercker, Kevelaer, 2008
Seitenzahl 123 Preis 8,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Sachbuch
Zielgruppe 12-13
ab 18
Inhaltsangabe Inge Deutschkron erzählt, wie ihr durch die Tätigkeit in Otto Weidts Blindenwerkstatt in Berlin-Mitte während des 3. Reiches das Überleben als Jüdin möglich gemacht wurde.
Beurteilungstext Die Autorin, geb. 1922 in Finsterwalde bei Berlin, schildert in leicht verständlicher Form, wie ihr der Geschäftsmann und Leiter der Blindenwerkstatt durch eine fingierte Anstellung in seinem Betrieb half, in Berlin zu überleben. Otto Weidt wird nicht als Held beschrieben, sondern als ein Mann mit widersprüchlichem Charakter. Selbst fast blind war es ihm gelungen, mit der Blindenwerkstatt ein kriegswichtiges Geschäft aufzuziehen, denn Besen und Bürsten wurden gebraucht, sodass er für seinen Betrieb immer wieder blinde, kranke oder taubstumme Juden anfordern konnte. Diesen half er, so gut er konnte, um ihre Deportation in die Vernichtungslager zu verhindern. Das gelang ihm z.T. durch enge Geschäftsbeziehungen zur Gestapo, bei denen er auch nicht vor Verstellung, Lügen und Bestechung zurückschreckte. Erst der Verrat durch ein jüdisches U-Boot brachte auch die von ihm versteckten Juden nach Auschwitz. Von dort versuchte er seine jüdische Freundin zurückzuholen.
Kurz nach dem Krieg starb der 64-jährige.
Die Autorin, die nach dem Krieg selber Journalistin wurde und deren Überleben in Berlin grundlage für das erfolgreiche GRIPS-Stück “Ab heute heißt du Sara” wurde, bemühte sich zunächst vergeblich, seine Anerkennung zu DDR-Zeiten zu erreichen. Die Einrichtung der ehemaligen Blindenwerkstatt als Museum gelang erst 1999. Ein besuch dort lohnt sich.
Die kurzen Kapitel geben Situationen in der Blindenwerkstatt wieder, wie sie die Autorin erlebt und erinnert hat.
Die kleinen Szizzen von Lukas Ruegenberg ergänzen und illustrieren den Text, so auf S. 37, wenn er unter Bezugnahme auf eine Zeitzeugin den Zug der Blinden vom Bahnhof Börse - Heute Hackescher Markt zurück zur Blindenwerkstatt neben den Hackeschen Höfen in feinen Strichen festhält, die dennoch voller Emotionen sind.
Im Anhang werden Zeitdokumente wiedergegeben, Fotos, Kopien von Ausweisen (mit dem Judenstern), kurze Lebensläufe von Personen, die im Buch erwähnt werden. Auf den Seiten 94 - 118 hat die Autorin eine Zeitttafel zur Judenpolitik des NS-Regimes aufgelistet, die für jede Arbeit zu diesem Thema - gerade auch in Klassen und Kursen - hervorragend geeignet ist.
Im selben Verlag zum gleichen Thema ist 1999 ein Bilderbuch erschienen, das sich an jüngere Kinder wendet: “ Papa Weidt: Er bot den Nazis die Stirn” und 2008 eine Audi-CD “Blindes Vertrauen: Die Geschichte der Blindenwerkstatt Otto Weidt.
In den weiterführenden Materialien auf S. 119 werden DVDs und das GRIPS-Theaterstück “Ab heute heißt du Sara” angegeben.
Zur Autorin, ihrer Lebensgeschichte und Querverbindungen gibt es ein 10seitige Darstellung unter www.julim-journal.de>Autoren
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 uwo, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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